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Vorwort

Hartling, Florian, Sascha Trültzsch (Hgg.), 2004 [2007]a: Medienkulturanalysen. Frankfurt am Main: Peter Lang. 170 S. (= Sonderheft SPIEL: Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft. Jg. 23 (2004 [2007]). H. 2)

Deutsch

Die Medien sind heute ohne Zweifel gesellschaftlich so bedeutsam, dass Probleme, die mit Medien zusammenhängen, im Fokus des Interesses zahlreicher akademischer Disziplinen stehen. Die Medienwissenschaften selbst haben - auch vor dem Hintergrund ihrer eigenen Entstehung aus unterschiedlichen Disziplinen - stets die interdisziplinäre Kooperation mit diesen Fächern gesucht. Damit verbunden ist das Charakteristikum eines stabilen, stetigen Theorie- und Methodenimports aus anderen disziplinären Zusammenhängen. Als Wissenschaft changiert sie bis heute zwischen den eher hermeneutisch orientierten Geisteswissenschaften und den eher empirisch orientierten Sozialwissenschaften. Dabei sind die Grenzen zur Kommunikationswissenschaft wie auch zur Publizistikwissenschaft fließend.

In den letzten Jahren hat sich die Medienwissenschaft in verschiedener Hinsicht ausdifferenziert: Sowohl ihre methodologischen Prämissen, ihr Theorie- und Themenspektrum, als auch ihre untersuchten Medien(technologien) sind mannigfaltiger und reicher geworden. Zudem hat sie ihre interdisziplinäre Ausrichtung weiter profiliert. Gleichzeitig muss aber stets reflektiert werden, dass Importe ‚fachfremder' Theorien und Methoden auch gewisse Gefahren mit sich bringen: Entweder werden sie fälschlicherweise losgelöst von ihrem theoretischen Umfeld verwendet oder unzulässig entkleidet, um sie für die Analyse von Medienphänomen ‚passgenau' zu machen.

Das vorliegende Heft stellt in sehr unterschiedlichen Beiträgen neue Verfahren und Gegenstände der Medienanalyse vor, die sich dezidiert der Methoden und Theorien verschiedener Disziplinen bedienen, um sie auf eine breitere Auswahl von Medien anzuwenden. Dabei wird insbesondere auf die fruchtbaren Transfers aus Soziologie und Psychologie eingegangen. Die Analysen werden anhand von fiktionalen Medienangeboten exemplifiziert. Der Mehrwert der auf diese Weise theoretisch und methodisch aufgewerteten bzw. unterfütterten Analyse zeigt sich in jedem der Beiträge. Alle Beiträge stehen für eine aktuelle Diskussion um die interdisziplinäre Neuorientierung der Medienanalyse und der Medienwissenschaft insgesamt - für das Bestreben, neue und theoretisch stärker rückgebundene Untersuchungen durchzuführen und die wissenschaftliche Diskussion darüber anzuregen.

Ausgangspunkt des vorliegenden Heftes war das Panel "Media culture analysis - new approaches of research in Television and Internet" auf dem 10. Kongress der "Internationalen Gesellschaft für Empirische Literaturwissenschaft", 2006 in München. Aus diesem Panel entstammen die Artikel von Jasper André Friedrich, Florian Hartling und Sascha Trültzsch, welche Überarbeitungen der gehaltenen Vorträge darstellen. Für die weiteren Beiträge konnten mit Anja Löbert, Christoph Jacke, Julian Kücklich sowie Dirk Förster und Ingo Linde Autoren gewonnen werden, die sich in ähnlicher Art und Weise mit Theorie- und Methodentransfers beschäftigen, wie sie in München diskutiert wurden. Auf diese Weise liefert der Band einen exemplarischen Querschnitt der aktuellen interdisziplinären Bemühungen der Medienwissenschaft. Ergänzend finden sich in der Rubrik zwei Artikel von László Halász sowie von Gerald C. Cupchik und Stephen W. P. Kemp, die zwei empirische Studien zur Rezeption von Literatur vorstellen.


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Letztes Update: 04.03.2008. nach oben.