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Verblödet das Internet?

27. Januar 2012 Keine Kommentare

Dass die neuen Medien gefährlich sind, weil in der Lage, den Rezipienten zu verdummen, ist eine Befürchtung, die bekanntermaßen schon Plato gegen die Schrift geäußert hat. (Also, als die Schrift noch „neu“ war.) Sie wurde seitdem beständig wiederholt: beim Roman, beim Fernsehen, beim Kino und jetzt halt beim Internet.
In der aktuellen Ausgabe des Unimagazins meiner Universität, die („online first!“) nun seit heute im Internet zu haben ist, wird diese These diskutiert. Ich bin gebeten worden, den Kulturpessimisten zu geben, was ich gern gemacht habe und die bereits erwähnte Diskurslinie auch schätze (plus: Die These hat ja auch etwas Wahres):

Ausgiebige Lektüre, besonnenes Bedenken des Gelesenen, Anwendung des Wissens auf neue Zusammenhänge und schließlich das mühevolle Ringen um die richtigen Argumentationen: All diese Kulturtechniken werden in den Zeiten des Web 2.0 torpediert von bunten Chatfenstern, Nachrichtenfeeds und Kommunikationsbrocken, die alle „Hier! Hier!“ schreien. Hektisch tippend werden die Nutzer hineingesaugt in das Echtzeit-Netz und existieren fortan nur noch in einem Strom von „Gefällt mirs“ und „+1“.

Sparringpartner ist ein Kollege aus der Politikwissenschaft, den ich noch nicht kenne, aber das lässt sich ja nachholen. Das ganze Heft gibt es als PDFund der Artikel auch noch einmal einzeln, direkt zum Online-Lesen.

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Publikation (8): Kataloge als Medien

10. November 2011 Keine Kommentare

Cover HALMA 23

Es ist eine Weile her seit meinem letzten Posting, da ich ein halbes Jahr mit einem sehr praktischen Projekt verbracht habe, das alle freie Zeit aufsaugte. Jetzt aber sind alle Haken an der Wand und alle Kisten ausgepackt, und es freut mich sehr, die Veröffentlichung eines schon länger erwarteten Bandes aus unserer kleinen Publikationsreihe „HALMA: Hallische Medienarbeiten“ ankündigen zu dürfen. Meine Kollegin Cordula Günther und die Magisterabsolventin Ulrike Roßbach untersuchen nicht nur aber auch: Ikea-Kataloge und deren Medialität.

Weitere Informationen und der Ort, wo man den ganzen Band herunterladen kann: http://www.medienkomm.uni-halle.de/publikationen/halma/halma23/

Und hier noch die Abstracts

Cordula Günther, Ulrike Roßbach (2010): Kataloge als Medien?
Cordula Günther: Kataloge? Find’ ich gut! Kataloge als Medien und kulturelle Aspekte der medialen Wareninszenierung
Kataloge können als Teil von werblichen Maßnahmen betrachtet werden. So werden sie z. B. als eine Möglichkeit adressierter medialer Direktwerbung aufgefasst. Während die Werbung insgesamt sowie einzelne Werbeformen sich großer medienwissenschaftlicher Aufmerksamkeit erfreuen, sind Kataloge oder Versandhauskataloge bislang eher Gegenstand der Marktforschung bzw. angewandten Medienwirkungsforschung geblieben.
Dieser Beitrag möchte Versandhauskataloge zum Gegenstand medienwissenschaftlicher Überlegungen machen. Kataloge werden hier als Medium, d. h. unter dem Aspekt ihrer Medialität betrachtet. Kataloge können als Verzeichnisse, als eine „Nomenklatur der Dinge“ (Baudrillard) aufgefasst werden. An der Systematisierung und Darstellung von Waren bzw. Produkten in Katalogen interessieren besonders zwei Sachverhalte: 1. die mediale Stellvertretung der Waren in Wort und Bild. 2. die Art und Weise, wie die mediale Präsentation bzw. Inszenierung von Waren und der Warenkonsum mit kulturellen Bedeutungen aufgeladen werden.
In der Verbindung dieser beiden zentralen Fragen geht es darum, wie die kulturellen Aspekte der Warenpräsentation durch Text und Bild erreicht werden, um die spezifischen Leistungen von Sprache für die Konkretisierung von Bildern sowie um unterschiedliche Waren- bzw. Bildinszenierungsstile und Vorschläge ihrer Systematisierung. Ein abschließender Blick gilt deshalb den Verbrauchertypologien, die ebenfalls die kulturellen Aspekte des Warenkonsums hervorheben.

Ulrike Roßbach: Wohnst du noch oder lebst du schon? Analyse und Rekonstruktion des Zusammenhanges zwischen Wohnrauminszenierung und Lebensstil am Beispiel IKEA
Das schwedische Einrichtungsunternehmens Ikea erfreut sich weltweit einer gewissen Bekanntheit, es ist zu einem wahren „Phänomen Ikea“ geworden. Doch Ikea ist mehr als ein Möbelhaus, das sich durch niedrige Preise und die Popularisierung des skandinavischen Einrichtungsstils einen Namen gemacht hat. Rüdiger Jungbluth bezeichnet Ikea als eine „Stilschule“, die sich mehr als andere Unternehmen damit schmücken kann, Lifestyle zu verkaufen.
Lebensstile werden dabei im Kontext der weiteren Ausführungen als Ausdruck sozialer und materieller Lagen, biographischer Erfahrungen und individueller Lebenshaltungen, Lebenspläne und ästhetischer Gestaltungsleistungen verstanden. Es wird Bezug genommen auf die Kultursoziologie zur Lebensstilanalyse von Gerhard Schulze, in der er soziale Milieus im Wandel von der Knappheitsgesellschaft zur Überflussgesellschaft definiert. Er bestimmt fünf Milieus, die auf den Untersuchungsgegenstand angewendet werden. Ausgehend von den milieuindizierenden Zeichen der Bildung und des Lebensalters wird eine Einordnung der von Ikea präferierten Zielgruppe im Selbstverwirklichungsmilieu vorgeschlagen. Zudem erscheint es möglich, vereinzelt Zeichen für eine Ansprache des Niveaumilieus herauszustellen.
Allerdings bedarf dieser Zusammenhang keiner Analyse der Wohnrauminszenierung. Daher sollen jene Anzeichen herauskristallisiert werden, die als verortungsrelevant einzustufen sind und Rückschlüsse auf eine Lebensstilgruppe ermöglichen. Ausgehend von dem herausgestellten sozialen Milieu ist hier nach den Qualitäten zu fragen, welche sich dementsprechend in den Wohnrauminszenierungen wieder finden sollen.

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Publikation (7): Klingonische Identitäten

30. Mai 2011 Keine Kommentare

Digitale MedientechnologienMit großer Freude halte ich seit einigen Tagen den wunderbaren Band zu “digitale Medientechnologien” in den Händen, der die deutschsprachigen Beiträge aus der 2009er Tagung zu “Digital Media revisited” versammelt. Die beiden Herausgeber haben wirklich in Rekordzeit editiert und dabei sehr intensive Überarbeitungshinweise gegeben, was zusammen eine großartige Leistung ist. Ich selbst bin vertreten mit meinen Überlegungen dazu, wie Identitätsbildung in der heutigen Zeit immer stärker medieninduziert ist und die audiovisuellen und digitalen Medien dabei förmlich zu Identitätsdispositiven werden. Fiktive Identitäten nehmen m.E. immer stärker Einfluss auf reale Identitätsbildungsprozesse, dies wird in den Medien diskursiviert und damit beständig normalisiert.
Ich diskutiere diesen Zusammenhang an klingonischen Identitäten aus dem „Star Trek“-Universum und er wird sehr deutlich an einem Zitat aus einer Dokumentation zu „Star Trek“-Fans, mit denen ich meine Überlegungen überschrieben habe: „Klingons allow us to express a certain aspect of our personality that we’re not allowed to do in public“.

Hier der Ankündigungstext vom Verlag:

Digitale Medientechnologien wie z.B. Mobiltelefonie oder das Internet spielen immer stärker eine zentrale Rolle sowohl für unsere Gesellschaft als auch für unsere Alltagswelt. Dabei sind sie keineswegs allein Voraussetzung kommunikativer und medialer Prozesse, sondern sind auf das Engste mit kulturellen und sozialen Kontexten verbunden. Alle diese Bezüge verändern sich in wechselseitiger Einflussnahme und mit hoher Dynamik. Der Band reflektiert den Ertrag bisheriger kommunikationswissenschaftlicher Forschungsansätze zu digitalen Medientechnologien und wirft einen Blick auf zukünftige Forschungsherausforderungen.

Mehr Informationen gibt es hier: <http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-17838-7/Digitale-Medientechnologien.html> und Springerlink sei dank, kann man das Buch auch schon online lesen, wenn es einen bezahlten Zugang gibt: <http://www.springerlink.de/content/978-3-531-17838-7/>.

Publikation (5): Archivierung von digitaler Literatur: Probleme – Tendenzen – Perspektiven

24. November 2010 Keine Kommentare

Titel Archivierung von digitaler Literatur
Eine umfassende Auseinandersetzung zum Thema der Archivierung von Netzliteratur ist erschienen – mit deutsch- und englischsprachigen Artikeln aus den unterschiedlichen Perspektiven von Autoren, Theoretikern und den Institutionen, die sich dem Thema annehmen müssen:

Archivierung von digitaler Literatur: Probleme – Tendenzen – Perspektiven / Archiving Electronic Literature and Poetry: Problems, Tendencies, Perspectives

Frankfurt am Main et al.: Peter Lang 2010. (=Sonderheft SPIEL: Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft. Jg. 29 (2010). H. 1+2)

289 Seiten, ISBN: 978-3-631-80119-2, deutsch/englisch

Abstract und Inhaltsverzeichnis des Buches sowie ein PDF der Einführung findet man auf: http://archiving.cyberfiction.ch/ sowie auf http://archivierung.hartling.org/.

Zusammenfassung

Netzliteratur ist aktuell, interaktiv, subjektiv und gut vernetzt. Doch wie haltbar ist Netzliteratur? Wie lange bleiben Texte, die auf Webseiten veröffentlicht werden, lesbar? Was passiert mit den alten Ausgaben, wenn eine Literaturzeitschrift “vom Netz geht”? Wie archiviert man einen Blog? Sollen Texte, die bewusst im flüchtigen Medium Internet veröffentlicht werden, überhaupt allesamt für die Nachwelt erhalten werden?

Es mutet ironisch an, dass der vergängliche Charakter des Netzes einem Medium anhaftet, das für Dokumentation und Archivierung eigentlich sehr geeignet zu sein scheint. Und doch bleibt jede Webseite durchschnittlich weniger als 100 Tage im Netz unter ihrer Originaladresse abrufbar. Danach zieht sie um oder wird komplett gelöscht. Dies gilt selbstverständlich auch für Netzliteratur.

Verschiedene Genres drehen den Spieß allerdings um. In diesen Konzeptionen sind die Probleme von Archivierung und Musealisierung überhaupt nicht vorhanden, sondern explizit ausgeschlossen. Das Temporäre und Flüchtige wird zum Thema der Literatur.

In dieser Sonderausgabe der Zeitschrift SPIEL: “Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft” werden neue Verfahren und Gegenstände der Archivierung von Netzliteratur vorgestellt, wobei sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten sind. Es kommen Künstler und Wissenschaftler ebenso zu Wort wie die mit der Archivierung beauftragten Institutionen.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://archivierung.hartling.org/. Der Band kann bestellt werden unter: http://bit.ly/ax2GBH.

Abstract

Electronic literature and E-Poetry is updated, interactive, subjective and well networked. But how durable is it? How long do texts published on web pages remain readable? What happens to the old issues if one visits a literature magazine “through the web”? How is a blog archived? Should texts that are deliberately published on the fleeting medium internet be conserved at all for the future?

It seems ironic that the transient character of the internet is attached to a medium that seems to be very suitable for documentation and archiving. And still each website only remains available on the internet at its original address for less than 100 days on average. Afterwards it moves or is erased completely. This is of course also the case for Net literature.

However, different genres turn the tables. These conceptions don’t even have the problems of archiving and musealization, but explicitly excluded them. The temporary and transience becomes the topic of literature.

In this special issue of the magazine SPIEL: “Siegener periodical for International Empirical Literature Study” new methods and objects of the archiving of Net Literature are presented with very different points of view being represented. In addition to theoretical articles on this topic’s specific problems, Net authors, Electronic literature authors, E-poets and institutes engaged in or familiar with archiving comment on this.

Please find more information at: http://archivierung.hartling.org/. The special issue can be ordered from: http://bit.ly/ax2GBH.

Publikation (6): not in archive

19. November 2010 Keine Kommentare

Nahezu zeitgleich zu dem gerade erschienenen Band zur Archivierung von digitaler Literatur, den ich zusammen mit Beat Suter herausgegeben habe, ist auch ein „Schwesterprojekt“ von Kollegen aus Innsbruck auf den Markt gekommen:

Renate Giacomuzzi, Stefan Neuhaus, Christiane Zintzen (Hgg.), 2010: Digitale Literaturvermittlung. Praxis, Forschung, Archivierung. Innsbruck: StudienVerlag. (Informationen zum Buch beim Verlag; Ankündigung bei der Co-Herausgeberin Christiane Zintzen)

Das Buch geht zurück auf „DILIMAG“, ein überaus interessantes Archivierungsprojekt an der Universität Innsbruck, das mich im vergangenen Jahr zu einer Tagung eingeladen hatte. Auf dieser Veranstaltung wurden die Projektergebnisse präsentiert, weiters sprachen und diskutierten einschlägige Wissenschaftler, Archivare sowie Autoren sprachen (mein kurzer Bericht zur Tagung und die Videodokumentation). Das Buch vereint nun die ausführlicheren, verschriftlichen Vorträge und bietet neben theoretischen sowie archivalisch-praktischen Beträgen auch künstlerische Arbeiten.

Damit hat Innsbruck einen ähnlichen Ansatz wie wir gewählt, zudem gibt es sehr befruchtende Überschneidungen zwischen beiden Projekten: Ich selbst bin dort mit einer kleinen Analyse zum Internet als außerordentlich schlechtem Archivierungsdispositiv vertreten, Beat Suter diskutiert Ergebnisse unseres Bandes. Umgekehrt hat die Projektleiterin von DILIMAG und Co-Herausgeberin des Bandes Renate Giacomuzzi einen Beitrag in unserem Buchprojekt veröffentlicht.

Interessant finde ich den Anteil der Literaten in dem Band, die von der Co-Herausgeberin Christiane Zintzen vertreten werden (kann man das so sagen?) Da DILIMAG ja digitale Zeitschriften sammelt, was auch Blogs einbezieht, sind es also vor allem Autoren, die die poetischen Möglichkeiten von Weblogs ergründen und deren Grenzen zu sprengen suchen.