Archiv

Artikel Tagged ‘Publizieren’

Publikation (11): Studie zum ‚Unterschichtenfernsehen’

26. Februar 2013 Keine Kommentare

Cover HALMA 25

Seitdem Kurt Beck im Herbst 2006 über das deutsche „Unterschichten-Problem“ wetterte, sind auch Fernsehsender in der Debatte, die angeblich „Unterschichten-Programme“ senden würden. Sowohl in den Medien als auch in der Wissenschaft wurden die Rezipienten dieser Sendungen als einheitliche Gruppe von „Unterhaltungsfreunden mit einfacher Bildung“ charakterisiert, die den elitären Informationssuchern gegenüberstehen würden. Gerade die erste Gruppe bekommt im öffentlichen Raum viel Aufmerksamkeit und wird hier oft als homogene Masse diffamiert.

Meine Kollegin Katja Kochanowski hat sich diesem Thema in ihrem Dissertationsprojekt angenommen und wird darin nachweisen, dass diese Homogenisierungen unrealistisch und unangebracht sind. Stattdessen untersucht sie, welches Programm Rezipienten in einer ökonomisch prekären Lebenssituation und mit niedrigem Bildungsstand tatsächlich konsumieren und vor allem, wie sie dies tun. Methodisch arbeite ihre Untersuchung mit einem sehr aufwändigen und komplexen setting, das ganz verschiedene Methoden kombiniert. Dadurch kommt sie zu sehr tiefgründigen Ergebnissen.

Ich bin ganz froh und stolz, dass sie in einem HALMA-Heft ihre ersten Ergebnisse publiziert und darin auch ihre Methode erstmalig näher vorstellt. (Mehr dazu in der Pressemitteilung.)

Das Heft (was hier heruntergeladen werden kann: ) hat schon allerhand Presseresonanz erhalten, so in der „Mitteldeutschen Zeitung“ (was bei Hallenser Probanden gut passt) und in SWR 2.

KategorienPublizieren Tags:

Publikation (10): Literatur und Digitalisierung

3. Januar 2013 Keine Kommentare
Cover Literatur und Digitalisierung

Als „Weihnachtsgeschenk“ erreichte mich noch um alten Jahr ein schönes Belegexemplar, das (verlagsüblich) für 2013 datiert ist und somit nun annonciert werden kann. Es handelt sich um einen sehr schönen Sammelband, der – soweit ich das überblicken kann – erstmalig im deutschsprachigen Raum ganz systematisch die Veränderungen des traditionellen Buchmarktes durch die Digitalisierung diskutiert. Er wurde unter dem Titel „Literatur und Digitalisierung“ von Christine Grond-Rigler und Wolfgang Straub herausgegeben und ist gerade bei „de Gruyter“ erschienen.

Das ist ein wirklich schönes Werk, weil hier auf etwas mehr als 300 Seiten in zwölf prägnanten Sachartikeln die Befunde des aktuellen literatur- und medienwissenschaftlichen Diskurses zusammengeführt werden, die sonst nur in sehr langen Dissertationen oder vereinzelt sowie versteckt in Sammelbänden auftauchen.

Ich durfte einen Artikel zur Veränderung der Autorschaft beisteuern und habe dazu Ergebnisse meiner Diss aktualisiert. Hier ist die Verlagsseite und auch noch der Ankündigungstext:

Der öffentliche Diskurs in Bezug auf kulturelle Umbrüche durch die Möglichkeiten der Digitalisierung ist von einem hohen Maß an Skepsis und Ablehnung gegenüber neuen Technologien geprägt. Das gilt – abgesehen von den Speerspitzen des Fortschritts – besonders auch für jene Branchen, die professionell mit Literatur zu tun haben, wie den Buchhandel, das Verlagswesen, die Literaturwissenschaft oder auch die AutorInnenverbände. Genauere Analysen zeigen jedoch, dass die Buchkultur nicht in der Digitalisierung endet, sondern sich in ihr fortsetzt. Denn viele Vorzüge der dezentralen Wissensbereitstellung durch digitale Medien sind lediglich perfektionierte, beschleunigte und in der Handhabung vereinfachte Praktiken, die sich bereits in der Buchkultur durchgesetzt haben und weiterhin unsere Vorstellung vom Umgang mit geistigen Inhalten bestimmen.

„Literatur und Digitalisierung“ informiert wissenschaftlich fundiert über die Veränderungen in der Produktion, Verbreitung und Rezeption von Literatur durch Digitalisierung und resümiert bisherige Entwicklungen mit Fokus auf den deutschsprachigen Raum. Namhafte ExpertInnen verschaffen einen Überblick über einen dynamischen, oft als disparat empfundenen Bereich. Übersichtlichkeit und leichte Handhabbarkeit sollen den Abbau vorhandener Unklarheiten und Mythisierungen erleichtern.

KategorienPublizieren Tags:

Publikation (9): Weblogs iranischer Frauen

20. Februar 2012 Keine Kommentare

Cover HALMA 24

Bekanntlich werden die Revolutionen des „arabischen Frühlings“ ja als Siegeszug von Blogs und sozialen Netzwerken in der Mobilisierung der Öffentlichkeit gedeutet, was aber sicherlich in seiner Deutung etwas zu kurz greift („die Revolution hat auf der Straße stattgefunden“).
Schon deutlich länger aktiv sind Blogger im Iran – und an diesem Fallbeispiel kann gesehen werden, dass und wie Kritiker im Internet leider auch massiv mundtot gemacht werden können. Trotzdem iranische Blogger massiver Kontrolle und Repression unterliegen, boomen Blogs vor allem unter Frauen. Dazu haben sich verschiedene Strategien der Identitäts-Tarnung, der Maskierung von Aussagen sowie der Artikulation von Meinungen herausgebildet, die zu einem faszinierenden Diskurs führen.
Diese Fragen untersucht meine Kollegin Sara Ginolas, die selbst über einen iranischen Background verfügt und somit eine ausgewiesene Expertin ist. Ich habe ihre Arbeit „Weblogs iranischer Frauen. Freiräume für Kritik und Selbstausdruck“ in unserer Reihe „Hallische Medienarbeiten“ herausgeben dürfen und freue mich sehr, dass die Ergebnisse dieser interessanten Studie nun breit verfügbar sind.
Sie arbeitet weiter und wird ihre neuen Erkenntnisse in ihre Doktorarbeit einfließen lassen, die ein schönes Standardwerk werden dürfte.

Das Heft kann wieder hier heruntergeladen werden: <http://www.medienkomm.uni-halle.de/publikationen/halma/halma24/>

Und hier noch der Abstract:

Weblogs haben sich im Iran rasend schnell etabliert und innerhalb der dortigen Medienlandschaft eine bedeutende Stellung eingenommen. Diese Arbeit widmet sich den Gründen für dieses Phänomen und stellt weibliche iranische Blog-Autorinnen dabei in den Vordergrund. Frauen sind im Iran von den staatlichen Reglementierungen besonders betroffen, weshalb ihre Art der Nutzung von Weblogs sowie ihre Thematiken von besonderem Interesse sind. Weblogs stellen einen medialen Freiraum dar, in denen gleichzeitig persönliche sowie öffentliche Kommunikation stattfindet. Gesellschaftlich heikle Themen werden diskutiert, ohne starke Rücksicht auf traditionelle Normen nehmen zu müssen. Diese Erfahrung ermöglicht neue Wege zur Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung. Dies wird auch anhand der analytischen Betrachtung eines exemplarischen Weblogs ersichtlich.

KategorienPublizieren Tags:

Verblödet das Internet?

27. Januar 2012 Keine Kommentare

Dass die neuen Medien gefährlich sind, weil in der Lage, den Rezipienten zu verdummen, ist eine Befürchtung, die bekanntermaßen schon Plato gegen die Schrift geäußert hat. (Also, als die Schrift noch „neu“ war.) Sie wurde seitdem beständig wiederholt: beim Roman, beim Fernsehen, beim Kino und jetzt halt beim Internet.
In der aktuellen Ausgabe des Unimagazins meiner Universität, die („online first!“) nun seit heute im Internet zu haben ist, wird diese These diskutiert. Ich bin gebeten worden, den Kulturpessimisten zu geben, was ich gern gemacht habe und die bereits erwähnte Diskurslinie auch schätze (plus: Die These hat ja auch etwas Wahres):

Ausgiebige Lektüre, besonnenes Bedenken des Gelesenen, Anwendung des Wissens auf neue Zusammenhänge und schließlich das mühevolle Ringen um die richtigen Argumentationen: All diese Kulturtechniken werden in den Zeiten des Web 2.0 torpediert von bunten Chatfenstern, Nachrichtenfeeds und Kommunikationsbrocken, die alle „Hier! Hier!“ schreien. Hektisch tippend werden die Nutzer hineingesaugt in das Echtzeit-Netz und existieren fortan nur noch in einem Strom von „Gefällt mirs“ und „+1“.

Sparringpartner ist ein Kollege aus der Politikwissenschaft, den ich noch nicht kenne, aber das lässt sich ja nachholen. Das ganze Heft gibt es als PDFund der Artikel auch noch einmal einzeln, direkt zum Online-Lesen.

KategorienPublizieren Tags: ,

Publikation (8): Kataloge als Medien

10. November 2011 Keine Kommentare

Cover HALMA 23

Es ist eine Weile her seit meinem letzten Posting, da ich ein halbes Jahr mit einem sehr praktischen Projekt verbracht habe, das alle freie Zeit aufsaugte. Jetzt aber sind alle Haken an der Wand und alle Kisten ausgepackt, und es freut mich sehr, die Veröffentlichung eines schon länger erwarteten Bandes aus unserer kleinen Publikationsreihe „HALMA: Hallische Medienarbeiten“ ankündigen zu dürfen. Meine Kollegin Cordula Günther und die Magisterabsolventin Ulrike Roßbach untersuchen nicht nur aber auch: Ikea-Kataloge und deren Medialität.

Weitere Informationen und der Ort, wo man den ganzen Band herunterladen kann: http://www.medienkomm.uni-halle.de/publikationen/halma/halma23/

Und hier noch die Abstracts

Cordula Günther, Ulrike Roßbach (2010): Kataloge als Medien?
Cordula Günther: Kataloge? Find’ ich gut! Kataloge als Medien und kulturelle Aspekte der medialen Wareninszenierung
Kataloge können als Teil von werblichen Maßnahmen betrachtet werden. So werden sie z. B. als eine Möglichkeit adressierter medialer Direktwerbung aufgefasst. Während die Werbung insgesamt sowie einzelne Werbeformen sich großer medienwissenschaftlicher Aufmerksamkeit erfreuen, sind Kataloge oder Versandhauskataloge bislang eher Gegenstand der Marktforschung bzw. angewandten Medienwirkungsforschung geblieben.
Dieser Beitrag möchte Versandhauskataloge zum Gegenstand medienwissenschaftlicher Überlegungen machen. Kataloge werden hier als Medium, d. h. unter dem Aspekt ihrer Medialität betrachtet. Kataloge können als Verzeichnisse, als eine „Nomenklatur der Dinge“ (Baudrillard) aufgefasst werden. An der Systematisierung und Darstellung von Waren bzw. Produkten in Katalogen interessieren besonders zwei Sachverhalte: 1. die mediale Stellvertretung der Waren in Wort und Bild. 2. die Art und Weise, wie die mediale Präsentation bzw. Inszenierung von Waren und der Warenkonsum mit kulturellen Bedeutungen aufgeladen werden.
In der Verbindung dieser beiden zentralen Fragen geht es darum, wie die kulturellen Aspekte der Warenpräsentation durch Text und Bild erreicht werden, um die spezifischen Leistungen von Sprache für die Konkretisierung von Bildern sowie um unterschiedliche Waren- bzw. Bildinszenierungsstile und Vorschläge ihrer Systematisierung. Ein abschließender Blick gilt deshalb den Verbrauchertypologien, die ebenfalls die kulturellen Aspekte des Warenkonsums hervorheben.

Ulrike Roßbach: Wohnst du noch oder lebst du schon? Analyse und Rekonstruktion des Zusammenhanges zwischen Wohnrauminszenierung und Lebensstil am Beispiel IKEA
Das schwedische Einrichtungsunternehmens Ikea erfreut sich weltweit einer gewissen Bekanntheit, es ist zu einem wahren „Phänomen Ikea“ geworden. Doch Ikea ist mehr als ein Möbelhaus, das sich durch niedrige Preise und die Popularisierung des skandinavischen Einrichtungsstils einen Namen gemacht hat. Rüdiger Jungbluth bezeichnet Ikea als eine „Stilschule“, die sich mehr als andere Unternehmen damit schmücken kann, Lifestyle zu verkaufen.
Lebensstile werden dabei im Kontext der weiteren Ausführungen als Ausdruck sozialer und materieller Lagen, biographischer Erfahrungen und individueller Lebenshaltungen, Lebenspläne und ästhetischer Gestaltungsleistungen verstanden. Es wird Bezug genommen auf die Kultursoziologie zur Lebensstilanalyse von Gerhard Schulze, in der er soziale Milieus im Wandel von der Knappheitsgesellschaft zur Überflussgesellschaft definiert. Er bestimmt fünf Milieus, die auf den Untersuchungsgegenstand angewendet werden. Ausgehend von den milieuindizierenden Zeichen der Bildung und des Lebensalters wird eine Einordnung der von Ikea präferierten Zielgruppe im Selbstverwirklichungsmilieu vorgeschlagen. Zudem erscheint es möglich, vereinzelt Zeichen für eine Ansprache des Niveaumilieus herauszustellen.
Allerdings bedarf dieser Zusammenhang keiner Analyse der Wohnrauminszenierung. Daher sollen jene Anzeichen herauskristallisiert werden, die als verortungsrelevant einzustufen sind und Rückschlüsse auf eine Lebensstilgruppe ermöglichen. Ausgehend von dem herausgestellten sozialen Milieu ist hier nach den Qualitäten zu fragen, welche sich dementsprechend in den Wohnrauminszenierungen wieder finden sollen.

KategorienPublizieren Tags: