Die Veränderungen durch die neuen Kommunikationsdienste des Web 2.0 (Twitter & Co.) sind in aller Munde – und sie kommen (endlich) auch in der Politik an. So kann es nicht verwundern, dass sich auch die politischen Stiftungen dieser Thematik annehmen. So geschehen etwa auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die gestern in der Händel-Halle stattfand (siehe Ankündigung).
Ich war gebeten worden, die Dienste zu Beginn wirklich sehr grundlegend zu erklären, was für die anwesenden ‚silver surfer’ sicher ganz richtig war, für die etwas kleinere Gruppe von engagierten Netznutzern (Profi- und Bürgerjournalisten, Studierende) vermutlich weniger neu. (Womöglich ist das aber ein Spagat, den politische Stiftungen, die ja sehr integrierend arbeiten müssen, häufig zu leisten haben.) Aber natürlich war auch etwas Zeit für weitergehende Einschätzungen, die in der anschließenden Podiumsdiskussion vertieft wurden:
Erstens: Meiner Auffassung nach bietet das Netz sehr große Potentiale für eine wirklich bidirektionale Kommunikation zwischen Politiker und Netznutzer, was ich den ‚virtuellen Wahlkampfstand’ genannt habe. Allerdings erfordert das notwendig, dass der Politiker sich wirklich intensiv mit Kommentatoren beschäftigt und Einträge nicht einfach nur an das Büro delegiert. Und damit haben sie ein Zeitproblem. (Der SPD-Bundestagsabgeordnete Burkhard Lischka hat dazu sehr lebendige Eindrücke aus seinem ‚Twitteralltag’ gegeben.)
Zweitens: Diese Aktivitäten der Politiker werden zu einer möglichen Quelle, an die journalistische Berichterstattung anschließen kann, vor allem wenn Politiker Informationen posten, die sie (noch) nicht über die traditionellen Kanäle verschickt haben. Am interessantesten für die Medien sind aber die kleinen und großen Skandale um solche Veröffentlichungen, etwa wenn vertrauliche Informationen oder den politischen Gegner schähendes gepostet wird.
Drittens: (Eigentlich auch ein ‚alter Hut’, aber in der Veranstaltung noch einmal großes Thema.) Auch politisch interessierte Akteure und Bürgerjournalisten dringen mit ihren Veröffentlichungen nicht zu den traditionellen Medien ‚durch’. Sie können ihre Themen den traditionellen Medien nur ‚anempfehlen’, und sind notwendigerweise auf deren Publikationsmacht angewiesen, um tatsächlich breite Massen zu erreichen. (Dies wurde vom MZ-Chefredakteur Jörg Biallas mit einem flammenden Plädoyer für den Profijournalismus bekräftigt.)
Viertens (und was leider dann in der Diskussion etwas kurz kam): Trotzdem bietet das Netz für andere politische Akteure als die traditionellen Politiker, für ‚Grasroot’-Aktivitäten. Dies gilt nicht zuletzt für Themen und Probleme des Netzes selbst. Hier sehe ich etwa die Aktivitäten rund um „netzpolitik.org“, die Multiplikatorfunktion der Meinungsführer in der Blogosphäre, die Netzaktivisten als beratende Experten in Regierungsgremien etc.
Bedingt durch sein ‚setting’ (am Ende drei Journalisten, ein Bundestagsabgeordneter, ein Medienwissenschaftler) war sich das Podium in den meisten Fragen recht einig, was ich im Rahmen einer solchen ‚Bildungs’-Veranstaltung okay finde. In den anschließenden Gesprächen mit den Bürgerjournalisten und Studierenden und in deren Twitter-Feeds wurde aber ein gewisser Wunsch nach mehr Dissonanz laut.
Twitterfeed mit dem Hashtag: #fespodium
Weitere Berichte erscheinen sicher bei der MZ und den hallenser Onlineplattformen, die trage ich nach.
Update: Berichte.