Publikation (5): Archivierung von digitaler Literatur: Probleme – Tendenzen – Perspektiven

24. November 2010 Keine Kommentare

Titel Archivierung von digitaler Literatur
Eine umfassende Auseinandersetzung zum Thema der Archivierung von Netzliteratur ist erschienen – mit deutsch- und englischsprachigen Artikeln aus den unterschiedlichen Perspektiven von Autoren, Theoretikern und den Institutionen, die sich dem Thema annehmen müssen:

Archivierung von digitaler Literatur: Probleme – Tendenzen – Perspektiven / Archiving Electronic Literature and Poetry: Problems, Tendencies, Perspectives

Frankfurt am Main et al.: Peter Lang 2010. (=Sonderheft SPIEL: Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft. Jg. 29 (2010). H. 1+2)

289 Seiten, ISBN: 978-3-631-80119-2, deutsch/englisch

Abstract und Inhaltsverzeichnis des Buches sowie ein PDF der Einführung findet man auf: http://archiving.cyberfiction.ch/ sowie auf http://archivierung.hartling.org/.

Zusammenfassung

Netzliteratur ist aktuell, interaktiv, subjektiv und gut vernetzt. Doch wie haltbar ist Netzliteratur? Wie lange bleiben Texte, die auf Webseiten veröffentlicht werden, lesbar? Was passiert mit den alten Ausgaben, wenn eine Literaturzeitschrift “vom Netz geht”? Wie archiviert man einen Blog? Sollen Texte, die bewusst im flüchtigen Medium Internet veröffentlicht werden, überhaupt allesamt für die Nachwelt erhalten werden?

Es mutet ironisch an, dass der vergängliche Charakter des Netzes einem Medium anhaftet, das für Dokumentation und Archivierung eigentlich sehr geeignet zu sein scheint. Und doch bleibt jede Webseite durchschnittlich weniger als 100 Tage im Netz unter ihrer Originaladresse abrufbar. Danach zieht sie um oder wird komplett gelöscht. Dies gilt selbstverständlich auch für Netzliteratur.

Verschiedene Genres drehen den Spieß allerdings um. In diesen Konzeptionen sind die Probleme von Archivierung und Musealisierung überhaupt nicht vorhanden, sondern explizit ausgeschlossen. Das Temporäre und Flüchtige wird zum Thema der Literatur.

In dieser Sonderausgabe der Zeitschrift SPIEL: “Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft” werden neue Verfahren und Gegenstände der Archivierung von Netzliteratur vorgestellt, wobei sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten sind. Es kommen Künstler und Wissenschaftler ebenso zu Wort wie die mit der Archivierung beauftragten Institutionen.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://archivierung.hartling.org/. Der Band kann bestellt werden unter: http://bit.ly/ax2GBH.

Abstract

Electronic literature and E-Poetry is updated, interactive, subjective and well networked. But how durable is it? How long do texts published on web pages remain readable? What happens to the old issues if one visits a literature magazine “through the web”? How is a blog archived? Should texts that are deliberately published on the fleeting medium internet be conserved at all for the future?

It seems ironic that the transient character of the internet is attached to a medium that seems to be very suitable for documentation and archiving. And still each website only remains available on the internet at its original address for less than 100 days on average. Afterwards it moves or is erased completely. This is of course also the case for Net literature.

However, different genres turn the tables. These conceptions don’t even have the problems of archiving and musealization, but explicitly excluded them. The temporary and transience becomes the topic of literature.

In this special issue of the magazine SPIEL: “Siegener periodical for International Empirical Literature Study” new methods and objects of the archiving of Net Literature are presented with very different points of view being represented. In addition to theoretical articles on this topic’s specific problems, Net authors, Electronic literature authors, E-poets and institutes engaged in or familiar with archiving comment on this.

Please find more information at: http://archivierung.hartling.org/. The special issue can be ordered from: http://bit.ly/ax2GBH.

Progammhinweis (6): Bringt das Internet mehr Kultur?

22. November 2010 Keine Kommentare

Der letzte Vortrag für dieses Jahr führt mich morgen abend in den Hallischen Saal am schönen Universitätsplatz. Das hiesige „Kulturforum der SPD“ lädt ein zu einer Vortragsrunde bzw. einem Podiumsgespräch zum Thema „Bringt das Internet mehr Kultur?“. Dabei wird erfreulicherweise ein recht weiter Kulturbegriff vertreten, neben dem eher ästhetischen Verständnis, auf das ich fokussieren werde, geht es u. a. um Kommunikationskulturen (Twitter und Co.)
Ich widme mich in meinem Einführungsvortrag dem durchaus spannungsvollen Verhältnis zwischen dem Dispositiv Internet und ästhetischer Produktion in ihm. Dabei gehe ich vor allem auf die technischen, ökonomischen, politischen und rechtlichen Bedingungen ein, die künstlerische Produktion online beeinflusst -und natürlich sowohl auf Chancen als auch Gefahren ein. Titel: „Neue Medien: Paradies für Kreative oder kreatives Minenfeld? Chancen, Bedrohungen und der goldene Mittelweg“.
Die Veranstaltung beginnt um 18:00 Uhr im Hallischen Saal, sie ist wohl auch öffentlich, sodass alle Interessenten herzlich willkommen sind. Weitere Informationen finden sich im Programmflyer.

Publikation (6): not in archive

19. November 2010 Keine Kommentare

Nahezu zeitgleich zu dem gerade erschienenen Band zur Archivierung von digitaler Literatur, den ich zusammen mit Beat Suter herausgegeben habe, ist auch ein „Schwesterprojekt“ von Kollegen aus Innsbruck auf den Markt gekommen:

Renate Giacomuzzi, Stefan Neuhaus, Christiane Zintzen (Hgg.), 2010: Digitale Literaturvermittlung. Praxis, Forschung, Archivierung. Innsbruck: StudienVerlag. (Informationen zum Buch beim Verlag; Ankündigung bei der Co-Herausgeberin Christiane Zintzen)

Das Buch geht zurück auf „DILIMAG“, ein überaus interessantes Archivierungsprojekt an der Universität Innsbruck, das mich im vergangenen Jahr zu einer Tagung eingeladen hatte. Auf dieser Veranstaltung wurden die Projektergebnisse präsentiert, weiters sprachen und diskutierten einschlägige Wissenschaftler, Archivare sowie Autoren sprachen (mein kurzer Bericht zur Tagung und die Videodokumentation). Das Buch vereint nun die ausführlicheren, verschriftlichen Vorträge und bietet neben theoretischen sowie archivalisch-praktischen Beträgen auch künstlerische Arbeiten.

Damit hat Innsbruck einen ähnlichen Ansatz wie wir gewählt, zudem gibt es sehr befruchtende Überschneidungen zwischen beiden Projekten: Ich selbst bin dort mit einer kleinen Analyse zum Internet als außerordentlich schlechtem Archivierungsdispositiv vertreten, Beat Suter diskutiert Ergebnisse unseres Bandes. Umgekehrt hat die Projektleiterin von DILIMAG und Co-Herausgeberin des Bandes Renate Giacomuzzi einen Beitrag in unserem Buchprojekt veröffentlicht.

Interessant finde ich den Anteil der Literaten in dem Band, die von der Co-Herausgeberin Christiane Zintzen vertreten werden (kann man das so sagen?) Da DILIMAG ja digitale Zeitschriften sammelt, was auch Blogs einbezieht, sind es also vor allem Autoren, die die poetischen Möglichkeiten von Weblogs ergründen und deren Grenzen zu sprengen suchen.

Dissociated Authorship: Electronic Literature between Tradition and Experiment

4. November 2010 Keine Kommentare

On November 8th 2010 I’ll be giving a seminar at Lingnan University, Hongkong, for which I have been kindly invited by Prof. Paisley Livingston, Chair Professor and Head, Department of Philosophy. I will be showing some examples of digital literature, especially from German origin, and thought I post them here along with some more resources so that the Hongkong students can do some more research after my talk.

 

Abstract of my talk

Since the birth of the “World Wide Web” as the most successful application of the Internet, the web has been the hope of literary theorists (e.g. George P. Landow and David Jay Bolter) that the new digital media will finally allow for the “death of the author” and the birth of the “writing reader”. In this talk I will ultimately argue that the author cannot disappear or “die” in this context because its central characteristics will not allow this to happen. Therefore the Internet does not stand for the “death” of the author; instead it seems to be a fountain of youth for literary authorship. These findings are discussed using recent experiments with authorship in digital literature.
 

Examples of works of digital literature

Solitary authorship

Collaborative authorship

Marginalised authorship

Dissociated authorship

Where can you find more (good) works of digital literature

Research

Research on digital literature: Some important organizations and conferences

Discussion (my research in print and online)

Titel Der digitale Autor and Titel Archivierung von digitaler Literatur
  • Hartling, Florian, 2009: The Digital Author? Authorship in the Digital Era. In: Vanesa Matajc, Gašper Troha, 2009: Avtor: kdo ali kaj piše literaturo? / The Author: Who or What is Writing Literature? Ljubjana: Slovensko društvo za primerjalno književnost. (= Special issue Primerjalna književnost / Comparative Literature. Vol. 32. (2009)). S. 199-208. (you can grap a copy of this special issue as a pdf from the web)
  • Hartling, Florian, 2009: Dissoziierte Autoren. Netzliterarische Autorschaft zwischen Tradition und Experiment. In: dichtung-digital. No. 39. Vol. 11 (2009). <http://www.dichtung-digital.org/2009/Hartling.htm>. (sorry, German only…)

 

Is there digital literature on the iPad?

 

Thanks

 

Resources

Kindle – far from being perfect, but probably the best recent device for humanities

1. Oktober 2010 4 Kommentare

Ich habe im letzten Monat zweimal Hip-Gadgets per Onlineordner direkt aus den USA geshoppt: iPod Touch in der vierten Generation, Kindle in der dritten. Das Timing ist grad perfekt, weil ich meine Arbeitsprocedere und eben auch die dazugehörigen Tools für das neue Projekt gerade neu einstelle und abstimme, und auch etwas Zeit für Tests und Anpassungen habe. Beide Geräte kamen in Wirklichkeit aus China. Mit beiden kann man arbeiten, auch akademisch – da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Über den Kleinstcomputer iPod Touch, der ein wunderbare Musikplayer ist, okay für Video und brauchbar als Hin- und Wieder-Spielkonsole, wird dank des Medienhypes ja viel geschrieben. Er hat sich zu einem recht ordentlichen „digital hub“ entwickelt, indem er Fotos, Audio, Video nicht nur abspielt, sondern auch aufnimmt. So deckt er jetzt weitgehend alle Funktionen ab, die man sich für den Alltag als „digital lebender“ vorstellen kann.

Für den akademischen Alltag ist er aber sehr eigentlich ein brauchbarer und gut zu bedienender „personal digital assistant“. Ich organisiere meine Termine, meine Projekte mitsamt dazugehörigen Aufgaben, meine Kontakte, meine Einfälle und Notizen perfekt mit ihm. Man merkt in vielen Details die wirklich gewachsene Erfahrung einer Firma, die seit über dreißig Jahren ihre Produkte vor allem über deren Benutzbarkeit verdient.

Damit hört es aber leider schon auf – lesen kurzer Texte geht lala, schreiben nur bei knappen Emails. Längere Texte lesen und wirklich durchdringen geht natürlich nicht, ein iPad war mir wegen der Kosten, der Größe und wegen des strahlenden Bildschirms auch ein Dorn im Auge. Und auch damit kann man nicht arbeiten, wie Jeff Jarvis ja so schön (und ein bisschen angenervt) formuliert.

Eine dieser Lücken schließt der monochrome, (weitgehend) monomediale, unsexy Kindle. Es ist unglaublich, wie sehr sich die Geräte unterscheiden, wie ablenkend die bunte Glitzerwelt von Apple ist, wie fokussierend und beruhigend das Grau-in-Grau von Amazon. Es ist das (fast) perfekte Gerät für Geisteswissenschaftler.

Seit einigen Jahren schon suche ich nach einer guten Möglichkeit, wie ich meine umfangreiche digitale Volltextbibliothek wirklich benutzen (im Sinne von lesen, durchblättern, bearbeiten) kann, ohne mir die Texte immer ständig ausdrucken zu müssen. Mit all den Archivierungsproblemen und den Problemen der spontanen Verfügbarkeit. Lektüre am Bildschirm ist nun aber wahrnehmungsphysiologisch ein Graus, außerdem kann nicht gut gleichzeitig der aktuell rezipierte Text und das aktuell zu schreibende Manuskript nebeneinander offen sein, es geht nur in bestimmten Lektürepositionen und –situationen. Ach ja, und natürlich verführen Emaileingang, Twitter- und RSS-Client zur ständigen Abschweife (auch wenn ich die aktuellen Feeds auch sehr stark ausgedünnt habe). Es ist unendlich unpraktisch. What to do?

Kindle löst diese Probleme auf eine charmante Art und Weise: Es ist leicht zu halten, liegt auch gut in der Hand und ist einfach griffig. Das Textbild ist durch die eInk-Technologie wunderbar zu lesen, und alle Details der Textübertragung und –lektüre sind weitgehend ordentlich gelöst. Und es gibt einfach nichts (bzw. nicht viel) mehr als die Texte – Konzentration pur. Und das Handling ist fantastisch: Da eInk unglaublich wenig Strom braucht (nämlich nur zum Umschalten der Seiten, nicht zu deren Anzeige), legt man das Gerät einfach beiseite, wenn man gerade nicht weiterlesen kann, und muss sich keine Gedanken um Akkulaufzeiten machen. Es hält wahnsinnig lang durch, und ist somit von Steckdosen sehr unabhängig. Es kommt dem Buch einfach unglaublich nah. Es ist das (fast) perfekte Gerät für Geisteswissenschaftler.

Der aktuelle Kindle wird darum zu recht sehr gelobt, und von allen Kritiken finde ich die von Martin Lindner am besten, die mich letztendlich auch zum direkten „blinden“ Kaufs animiert hat.

Kindle zeigt also, wohin die Reise gehen sollte, aber leider ist er noch weit davon entfernt, wirklich perfekt zu sein: Man kann auch mit ihm nicht arbeiten. Das Verfassen von Anmerkungen ist wegen der unergonomischen Tastatur unglaublich nervig, nicht auszudenken, da längere Texte zu schreiben – geht ja auch gar nicht. Stattdessen mache ich weiter damit, Kommentare direkt in die Literaturdatenbank zu tippen, oder – wenn der Rechner nicht greifbar ist, diese als Sprachnotiz mit dem iPod aufzunehmen. Warum gibt es nur fünf simple Vergrößerungsstufen, wenn es doch bei eingescannten Texten gerade besser ist, dass der Leser sich die optimale Breite auf dem Bildschirm legen kann? Das Cursorkreuz ist unglaublich fitzelig – ich brauche es aber ständig und frage mich immer, warum es nicht so groß sein kann, wie die Umblättertasten. Ich habe keine Ordnerverwaltung entdecken können, was passiert, wenn ich parallel mit 50 Dokumenten arbeiten möchte? Und ich vermisse den Beschleunigungssensor – manuelles Wechseln zwischen Hoch- und Queransicht ist auch recht unsexy. Könnte man da nicht iPad und Kindle verschmelzen?

Ich habe heute morgen eine Stunde beim Arzt gewartet, derweil anderthalb Fachartikel gelesen und auch geistig verarbeiten können. Kein Zettelwust, keine reine Zeitvertreiberei. Wunderbar.

Update, 08.10.2010
Doch, es gibt eine Ordnerverwaltung (Ordner heißen “Collections”), aber auch recht schlecht gelöst. Hier wäre es besser, man könnt direkt über den Explorer die Ordner anlegen und die Dokumente direkt reinspeichern anstelle von: Dokumente erst einmal so auf den Kindle kopieren, dann dort Dokument für Dokument einzeln in die Collections schieben – very annoying!

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