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Kindle – far from being perfect, but probably the best recent device for humanities

1. Oktober 2010 4 Kommentare

Ich habe im letzten Monat zweimal Hip-Gadgets per Onlineordner direkt aus den USA geshoppt: iPod Touch in der vierten Generation, Kindle in der dritten. Das Timing ist grad perfekt, weil ich meine Arbeitsprocedere und eben auch die dazugehörigen Tools für das neue Projekt gerade neu einstelle und abstimme, und auch etwas Zeit für Tests und Anpassungen habe. Beide Geräte kamen in Wirklichkeit aus China. Mit beiden kann man arbeiten, auch akademisch – da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Über den Kleinstcomputer iPod Touch, der ein wunderbare Musikplayer ist, okay für Video und brauchbar als Hin- und Wieder-Spielkonsole, wird dank des Medienhypes ja viel geschrieben. Er hat sich zu einem recht ordentlichen „digital hub“ entwickelt, indem er Fotos, Audio, Video nicht nur abspielt, sondern auch aufnimmt. So deckt er jetzt weitgehend alle Funktionen ab, die man sich für den Alltag als „digital lebender“ vorstellen kann.

Für den akademischen Alltag ist er aber sehr eigentlich ein brauchbarer und gut zu bedienender „personal digital assistant“. Ich organisiere meine Termine, meine Projekte mitsamt dazugehörigen Aufgaben, meine Kontakte, meine Einfälle und Notizen perfekt mit ihm. Man merkt in vielen Details die wirklich gewachsene Erfahrung einer Firma, die seit über dreißig Jahren ihre Produkte vor allem über deren Benutzbarkeit verdient.

Damit hört es aber leider schon auf – lesen kurzer Texte geht lala, schreiben nur bei knappen Emails. Längere Texte lesen und wirklich durchdringen geht natürlich nicht, ein iPad war mir wegen der Kosten, der Größe und wegen des strahlenden Bildschirms auch ein Dorn im Auge. Und auch damit kann man nicht arbeiten, wie Jeff Jarvis ja so schön (und ein bisschen angenervt) formuliert.

Eine dieser Lücken schließt der monochrome, (weitgehend) monomediale, unsexy Kindle. Es ist unglaublich, wie sehr sich die Geräte unterscheiden, wie ablenkend die bunte Glitzerwelt von Apple ist, wie fokussierend und beruhigend das Grau-in-Grau von Amazon. Es ist das (fast) perfekte Gerät für Geisteswissenschaftler.

Seit einigen Jahren schon suche ich nach einer guten Möglichkeit, wie ich meine umfangreiche digitale Volltextbibliothek wirklich benutzen (im Sinne von lesen, durchblättern, bearbeiten) kann, ohne mir die Texte immer ständig ausdrucken zu müssen. Mit all den Archivierungsproblemen und den Problemen der spontanen Verfügbarkeit. Lektüre am Bildschirm ist nun aber wahrnehmungsphysiologisch ein Graus, außerdem kann nicht gut gleichzeitig der aktuell rezipierte Text und das aktuell zu schreibende Manuskript nebeneinander offen sein, es geht nur in bestimmten Lektürepositionen und –situationen. Ach ja, und natürlich verführen Emaileingang, Twitter- und RSS-Client zur ständigen Abschweife (auch wenn ich die aktuellen Feeds auch sehr stark ausgedünnt habe). Es ist unendlich unpraktisch. What to do?

Kindle löst diese Probleme auf eine charmante Art und Weise: Es ist leicht zu halten, liegt auch gut in der Hand und ist einfach griffig. Das Textbild ist durch die eInk-Technologie wunderbar zu lesen, und alle Details der Textübertragung und –lektüre sind weitgehend ordentlich gelöst. Und es gibt einfach nichts (bzw. nicht viel) mehr als die Texte – Konzentration pur. Und das Handling ist fantastisch: Da eInk unglaublich wenig Strom braucht (nämlich nur zum Umschalten der Seiten, nicht zu deren Anzeige), legt man das Gerät einfach beiseite, wenn man gerade nicht weiterlesen kann, und muss sich keine Gedanken um Akkulaufzeiten machen. Es hält wahnsinnig lang durch, und ist somit von Steckdosen sehr unabhängig. Es kommt dem Buch einfach unglaublich nah. Es ist das (fast) perfekte Gerät für Geisteswissenschaftler.

Der aktuelle Kindle wird darum zu recht sehr gelobt, und von allen Kritiken finde ich die von Martin Lindner am besten, die mich letztendlich auch zum direkten „blinden“ Kaufs animiert hat.

Kindle zeigt also, wohin die Reise gehen sollte, aber leider ist er noch weit davon entfernt, wirklich perfekt zu sein: Man kann auch mit ihm nicht arbeiten. Das Verfassen von Anmerkungen ist wegen der unergonomischen Tastatur unglaublich nervig, nicht auszudenken, da längere Texte zu schreiben – geht ja auch gar nicht. Stattdessen mache ich weiter damit, Kommentare direkt in die Literaturdatenbank zu tippen, oder – wenn der Rechner nicht greifbar ist, diese als Sprachnotiz mit dem iPod aufzunehmen. Warum gibt es nur fünf simple Vergrößerungsstufen, wenn es doch bei eingescannten Texten gerade besser ist, dass der Leser sich die optimale Breite auf dem Bildschirm legen kann? Das Cursorkreuz ist unglaublich fitzelig – ich brauche es aber ständig und frage mich immer, warum es nicht so groß sein kann, wie die Umblättertasten. Ich habe keine Ordnerverwaltung entdecken können, was passiert, wenn ich parallel mit 50 Dokumenten arbeiten möchte? Und ich vermisse den Beschleunigungssensor – manuelles Wechseln zwischen Hoch- und Queransicht ist auch recht unsexy. Könnte man da nicht iPad und Kindle verschmelzen?

Ich habe heute morgen eine Stunde beim Arzt gewartet, derweil anderthalb Fachartikel gelesen und auch geistig verarbeiten können. Kein Zettelwust, keine reine Zeitvertreiberei. Wunderbar.

Update, 08.10.2010
Doch, es gibt eine Ordnerverwaltung (Ordner heißen “Collections”), aber auch recht schlecht gelöst. Hier wäre es besser, man könnt direkt über den Explorer die Ordner anlegen und die Dokumente direkt reinspeichern anstelle von: Dokumente erst einmal so auf den Kindle kopieren, dann dort Dokument für Dokument einzeln in die Collections schieben – very annoying!

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Rezension (4): Zu Schäfer/Gendolla: Beyond the screen

21. September 2010 Keine Kommentare

Auszug aus einer Rezension, die unlängst in der “MEDIENwissenschaft” 03/2010 erschienen ist (Inhaltsverzeichnis des Heftes)

Der englischsprachige Band ist im Rahmen dieser internationalen Kooperation entstanden; er enthält überarbeitete Beiträge einer Konferenz, die unter dem gleichen Titel im November 2008 an der Siegener Universität stattgefunden hat. Dazu wurden weitere thematisch passende Beiträge von einschlägig arbeitenden Forschern gewonnen. Bei den Autoren handelt es sich um einige der bekanntesten und einflussreichsten internationalen Wissenschaftler im Feld, was den Band zu einer wertvollen Sammlung aktueller Themen und Ansätze werden lässt.[…]
In der Zusammenschau ergibt sich ein insgesamt positiver Eindruck des vorliegenden Buches. [...] der Band [bildet] vor allem eine vortreffliche Zusammenstellung der derzeit am profundesten diskutierten Themen im internationalen Diskurs um digitale Literatur. Locative narratives schälen sich damit als wichtiges zukünftiges Thema heraus, was mit den intensiven Diskussionen der ‚Cave’-Installationen nachdrücklich dokumentiert wird. Probleme von Definition/Typologisierung sowie der Archivierung werden als Hauptherausforderungen der Zukunft thematisiert und teilweise bereits mit Lösungsvorschlägen untersetzt. Damit sei der Band allen wärmsten ans Herz gelegt, die sich für digitale Literatur im Besonderen und für digitale Kunst im Allgemeinen interessieren.

(Jörgen Schäfer, Peter Gendolla (Eds.): Beyond the Screen. Transformations of Literary Structures, Interfaces and Genres. Bielefeld: Transcript 2010 (Medienumbrüche – Media Upheavals – Volume 44), 568 S., ISBN 978-3-8376-1258-5, € 44,80, Link zum Verlag)

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Reisepläne (1): Cambridge, Hongkong, Halle

7. September 2010 Keine Kommentare

Während ich aktuell krankheitsbedingt etwas ‘aus dem Rennen’ bin, komme ich wenigstens stellenweise zu organisatorischen Arbeiten, Korrespondenzen und dazu, mich auf die anstehenden Vortragsreise im Herbst zu freuen.
Los geht es am 30. Oktober mit einem Workshop an der Universität Cambridge, zu dem ich als Experte von digitaler Autorschaft sowie deren Implikationen für Copyright-Fragen eingeladen bin. Das Ganz ist sehr eigentlich die Kick-Off-Veranstaltung zu einem überaus interessanten kollaborativen, interdisziplinären und internationalen Forschungsprojekt mit dem Titel “Of Authorship and Originality”, welches drei Jahre im Rahmen des HERA-Programmes gefördert wird (“Humanities in the European Research Area”) (Mehr dazu auf der Projektseite). Auf dem Workshop soll es darum gehen, die schon vielfältigen Forschungserträge zu bündeln und Idee für das Programm zu entwickeln. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf, nach fast zehn Jahren, die seit meinem halben Jahr in Sheffield vergangen sind, England wiederzusehen.
Wieder zurück in der Heimat muss ich sozusagen gleich in einen größeren Koffer umpacken, denn vom 5. bis zum 12. November fliege ich zu einer Vortragsreise nach Hongkong. Ich bin von einem Kollegen an der dortigen Lingnan-University eingeladen worden, zu meinem Dissertationsprojekt „Autorschaft in digitaler Literatur“ an seinem Department für Philosophie und einer befreundeten Universität zu sprechen. Auf diese Reise bin ich schon sehr gespannt und freue mich auf interessante Diskussionen mit ihm und seinen Mitarbeitern. Das Dissertationsprojekt hat seinerzeit sehr von Debatten rund um Film und Autorschaft profitiert, nicht zuletzt erhoffe ich mir einige Anregungen für das neue Forschungsprojekt.
Dann wieder in Halle steht ein Vortrag an, zu dem ich dann nicht mehr fliegen muss, sondern radeln kann: Im Rahmen des SPD-Kulturforums Sachsen-Anhalt spreche ich am 25. November (voraussichtlich am Uniplatz) zur sehr spannungs- aber auch ertragreichen Beziehung zwischen Kultur und Internet.
Und dann geht es wieder zurück in die Schreibstube.

Presse (3): Facebook für Dichter, Twitter für Firmen

15. Juli 2010 2 Kommentare

Neben Rezensionen zu meiner akademischen Arbeit sind in der letzten Zeit auch zwei Presseartikel zu „Social Network Services“ (also Twitter, Facebook & Co.) erschienen, in denen Stellungnahmen von mir eingeflossen sind. Beide sind online verfügbar.

Los geht es mit der Plattform „evangelisch.de“, das mit dem evangelischen Magazin „Christmon“ (liegt einmal zuweilen meiner Tageszeitung bei) und dem evangelischen Pressedienst (epd) verbunden ist. Diese hatte den Start des ersten(?) deutschsprachigen Facebook-Romans „Zwirbler“ am 1. Juli zum Anlass genommen, um allgemein über neue Formen von netzbasierter Literatur und speziell über ihn selbst zu berichten. Meine Position ist etwas skeptisch: Zum einen glaube ich nicht, dass sich der erhoffte Erfolg einstellt, auch wenn das Projekt derzeit sehr durch den ohnehin virulenten Facebook-Hype befördert wird. Allerdings hat sich immer wieder gezeigt, dass digitale Literatur nie ein Massenphänomen sein kann, gerade wenn sie konzeptuell anspruchsvoll ist, und das Interesse der Leser oft schnell erlahmt. Zum anderen ist „Zwirbler“ natürlich nur das, was ich „Literatur in Netz“ nenne; also vor allem ein klassischer Text, der über die Plattform befördert wird und kaum netztypische Techniken verwendet. Es dürfte interessant sein zu sehen, ob die Kommunikation mit den Lesern wirklich so etwas wie einen interessanten, kollaborativen Text hervorbringt. (Wie das funktionieren kann und auch zu funktionieren hat, stellt etwa das literarische Blog von Alban N. Herbst seit einigen Jahren unter Beweis, auch da eher klassische Texte, aber deutlich intensivere Kommunikationen mit den Lesern, die auch in die Texte fließen, sowie ein kollaboratives, „chorisches“ Tagebuch).
Der Artikel: „Interaktiv: Der erste Facebook-Roman startet“

Die aktuelle Ausgabe des Magazins „Mitteldeutsche Wirtschaft“, herausgegeben von der der IHK Halle-Dessau, interessiert sich (nomen est omen) nicht für die künstlerischen Impulse der SNS, sondern dafür, wie die neuen Dienste von klein- und mittelständischen Firmen genutzt werden können. Der Redakteur hat mich gefragt, wie ich die Chancen für das Business bewerte und was die Firmen zu beachten haben. Auch hier bin ich etwas zwiegespalten. Zwar bieten Twitter & Co. zunächst natürlich ganz hervorragende Möglichkeiten, aus dem reinen Versenden von Werbematerialien herauszukommen und in eine echte Kommunikation mit den Kunden einzutreten. Hier bieten die neuen Plattformen Anschlusspunkte etwa für virales Marketing, das eben auf Kundenvertrauen basiert. Allerdings muss diese Aufgabe auch ernst genommen werden, was vor allem notwendig zu investierende Zeit und damit auch Geldinvestitionen bedeutet. Denn lieb- und strategieloses Twittern bringt keinen Erfolg, kann umgedreht sogar schädlich für das Image sein. Also muss hier die PR-Abteilung (so es sie gibt) oder gar der Inhaber persönlich heran. Mein Fazit: „Man darf nicht halbherzig twittern“.
Das gesamte Heft kann online (sehr löblich!) komplett gelesen bzw. sogar „durchgeblättert“ werden, das Interview steht auf den Seiten 12/13.

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Presse (2): Die Ernte einfahren

1. Juli 2010 Keine Kommentare

Während das letzte Publikationsprojekt (das ich zusammen mit Beat Suter herausgegeben habe und natürlich auch noch ausführlich annoncieren werde) nun endlich beim Verlag in den Druck gegangen ist, das vorletzte immerhin schon auf dem Visier ist (wobei es aber bei einer Festschrift sicherlich immer so eine Sache mit der Resonanz ist…), gibt es auf das vor-vorletzte nun endlich die erwünschten Reaktionen. Und zwar handelt es sich dabei um meine Monographie zum digitalen Autor, wozu in den letzten Wochen nun die ersten akademischen Rezensionen erschienen sind, über die ich mich sehr gefreut habe.

In dem amerikanischen Journal „Monatshefte“ (dem Pendant zum literaturwissenschaftlichen Flaggschiff-Journal „Germanistik“) findet sich in der aktuellen Ausgabe eine insgesamt recht wohlwollende Rezension von Peter Krapp. Auszug:
“In the current state of the internet and its layers, from email and chat to blogs and games, what is the place of digital authorship, of literature? Florian Hartling, whose book is based on his dissertation, is well-versed in literary theory, and relies in particular on the way the work of Foucault has been put to use in German Studies. [...]
In sum, Hartling’s highly competent and well-informed book on digital authorship raises, but does not begin to address, issues concerning the many contemporary forms of digital readership, particularly this side of their aggregation for the purpose of advertising and statistics.” (Peter Krapp, Monatshefte. Volume 102 [2010]. No. 2. S. 231-232.)
Bekrittelt wird insbesondere, dass die Seite des Rezipienten nicht berücksichtigt wird. Das Journal kann von verschiedenen Universitäten aus im Volltext angezeigt werden.

Im Rezensionsorgan „MEDIENwissenschaft“, das gerade heute in meinem Briefkasten gelandet ist, findet sich eine sehr positive Kritik von Sigrid Messner:
“Die sehr faktenreiche und theoretisch fundierte Arbeit, in der es Hartling gelingt, die umfangreichen und widersprüchlichen Debatten zu Netzliteratur und Autorschaft anschaulich zusammenzufassen und für sein Thema produktiv zu machen, besticht durch einen übersichtlichen Aufbau, klare Begriffsdefinitionen und nicht zuletzt durch einen ausgesprochen leserfreundlichen Stil. Hartling legt mit seiner Dissertation erstmals eine systematische Beschreibung von Autorschaft unter den Bedingungen des Internets vor. Diese schließt eine Lücke im netzliterarischen Diskurs und bietet zudem einen interessanten Überblick über die vielfältige deutschsprachige Netzliteraturszene.” (Sigrid Meßner, MEDIENwissenschaft. Jg. 27 [2010]. H. 2. S. 257-258.)
Hier ist leider (noch) kein elektronischer Abruf möglich, wird immer erst mit einiger Zeitverzögerung auf der Journalhomepage freigeschaltet.

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