10 Jahre Online-Journalismus an der Universität Halle
Ende November 2011 feierte mein Arbeitgeber, das Dept. Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg, sein 10jähriges Bestehen als unabhängige Einheit. Das wurde mit einer großen Festwoche gefeiert, in deren Rahmen nicht zuletzt auch gefeiert wurde, dass vor zehn Jahren die Idee geboren wurde, hier in Halle einen Studiengang für Online-Journalismus aufzubauen. Dieser Studiengang ist eine enge und fruchtbare Kooperation zwischen dem Verlagshaus M. DuMont Schauberg bzw. der Mitteldeutschen Zeitung und der Halleschen Europäischen Journalistenschule. Ich selbst durfte von Anfang an konzeptionell und organisationell daran mitwirken. Daher war es mit eine besondere Ehre, diese Kooperation im Rahmen der Festwoche vorstellen zu dürfen – der Text nach dem Klick.
Das Programm der Woche liegt noch hier, in der Mitteldeutschen Zeitung gab es zwei schöne Artikel zum Jubiläum:
Florian Hartling
Kurzpräsentation HALESMA A.N.D.
Gehalten am Mittwoch, 23.11.2011 im Rahmen der Festwoche „10 Jahre Medien- und Kommunikationswissenschaften“
Magnifizienz,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrte Frau Prodekanin / sehr geehrter Herr Dekan,
sehr geehrter Herr Sommerfeld,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Studierende,
wenn wir heute nicht nur das Department Medien- und Kommunikationswissenschaften feiern, sondern auch zehn Jahre der Idee, in Halle eine europäische Journalistenschule aufzubauen, dann feiern wir hier eine Erfolgsgeschichte.
Gegründet wurde die „Hallesche Europäische Journalistenschule für Multimediale Autorschaft“ in einer Periode der medialen Umbrüche. Die Goldschürfer-Zeit im Internet hatte mit einem großen Knall geendet, trotzdem gingen ab 2001 auch die letzten Presseverlage online. Sie taten dies, auch wenn sie das Internet noch als Bedrohung empfanden, sicher auch empfinden mussten.
Es war aber schnell deutlich, dass in den neuen Medien die Inhaltspräsentationen vielseitiger und komplexer werden – eben multimedial. Und es lag auf der Hand, dass sich das Berufsbild von Journalisten daher tiefgreifend verändern würde.
In diesem Sinne sind wir froh, dass das Medienhaus M. DuMont Schauberg so mutig gewesen ist, hier an der Ausbildung dieser zukünftigen Online- und Multimedia-Journalisten mitzuwirken. Seit 2003 gibt es den Masterstudiengang „MultiMedia & Autorschaft“, den das Department Medien- und Kommunikationswissenschaften in Kooperation mit der Halleschen Europäischen Journalistenschule und M. DuMont Schauberg bzw. dem Hallenser Zeitungshaus „Mitteldeutsche Zeitung“ durchführt.
Eine Besonderheit des Studienprogrammes ist dabei die konsequente Orientierung auf eine praxisbezogene Ausbildung, die durch erfahrene Dozenten aus dem Berufsfeld gestützt wird. Hier profitiert der Studiengang auch konkret vom Know-how von Vertretern der „Mitteldeutschen Zeitung“: Studierende haben nicht sehr oft die Gelegenheit, vom Chefredakteur einer großen Regionalzeitung persönlich unterrichtet zu werden. Diese Praxisorientierung geschieht dabei stets unter Beachtung theoretischer Inhalte: Die praktische Ausbildung weist somit über die reine Anwendung auf größere Zusammenhänge und zukünftige Problemfelder hinaus.
Unsere Studierenden stehen deshalb manchmal vor Problemen, die erst übermorgen tatsächlich für den praktischen Journalismus relevant werden. Das ist auch gut so; denn sie entwickeln neue Präsentationsformen wie etwa 3D-Visualisierungen, interaktive Stadtpanoramen, Wikis oder Ideen für iPad-Anwendungen. Sie diskutieren darüber hinaus auch, wie sich die Kommunikation mit den Lesern ändert, etwa in den sozialen Netzwerken oder Internetforen.
Seit 2003 haben mittlerweile vier Jahrgänge mit insgesamt 53 Absolventen ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Unsere Studierenden kommen dabei nicht nur aus Europa, sondern der ganzen Welt: Bulgarien, Russland, Spanien, Indien oder Venezuela. Damit weitet sich die Perspektive in den Seminaren beständig auch auf andere Mediensysteme und Kulturen.
Nach ihrem Studium arbeiten sie nicht nur als Online-Journalisten, sondern auch als Entwickler von eLearning-Umgebungen oder als Multimedia-Producer. Damit wird das breite Spektrum möglicher Berufsfelder deutlich. Solche Leute braucht die Wirtschaft, in Halle und anderswo.
Und wir sind froh, dass die Kooperation zwischen Theorie und Praxis, zwischen Department, Journalistenschule und Medienhaus den Absolventen auch eine direkte Berufsperspektive bietet: Anfang des Monats haben bereits das zweite Mal Absolventen des Masterstudienganges ein Volontariat bei der „Mitteldeutschen Zeitung“ antreten können. Sie entwickeln dort neue, multimediale Formate für die Regionalzeitung der Zukunft. Und davon lernt dann auch wieder die Wissenschaft. Es ist eben eine gute Kooperation, ein gegenseitiges Geben und Nehmen. So soll es auch sein.
