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Abstract Dissertation “Der digitale Autor?”

14. Januar 2009

Hartling, Florian, 2007a: Der digitale Autor? Zur Autorschaft unter den Bedingungen des Dispositivs Internet. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie. Vorgelegt der Philosophischen Fakultät II der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am 02.07.2007. Verteidigt am 27.02.2008.

Der literarische Autor steht seit langem unter kritischer Beobachtung. Für viele Jahre hat das poststrukturalistische Diktum vom “Tod des Autors” (Roland Barthes) die theoretische Debatte autorkritisch überformt. Seit den 1990er Jahren ist allerdings die machtvolle “Rückkehr des Autors” (Fotis Jannidis et. al.) in den Diskurs festzustellen. Ironischerweise aber scheint das verabschiedete Diktum vom Autortod weiterhin Gültigkeit im jüngsten literarischen Medium zu besitzen und dabei veraltete Vorstellungen fortzuschreiben. Das Internet, so die euphorischen Hypertexttheoretiker, würde den Autor endgültig verabschieden und endlich den “schreibenden Leser” hervorbringen (George P. Landow).

Mit dem Boom und der Etablierung der Netzliteratur ist im Internet tatsächlich ein Aufleben des literarischen Autors zu beobachten. Dabei rivalisieren unterschiedliche Autormodelle miteinander, je nach künstlerischer Konzeption und Hyper-Poetik. Es sind zum einen Selbstinszenierungen mit einem regelrechten Personenkult möglich, aber auch kollektive und marginalisierte Autorschaftsmodelle können festgestellt werden. Schließlich suchen sich Autoren im Netz sogar zu ‘befreien’.

Die Bedingungen, unter denen sich diese Prozesse im Netz vollziehen, sind allerdings noch unklar; damit aber bleibt offen, wie die zu beobachtenden Phänomene tatsächlich ursächlich aus der medialen Strukturen erklärbar sind. Es fehlt eine systematische Beschreibung und Analyse des ‘digitalen Autors’ sowie der Bedingungen von Autorschaft im Internet. Diesem größeren Forschungsdesiderat nimmt sich die vorliegende Arbeit an.

Es wird herausgearbeitet, dass schon die jüngere Diskussion um Autorschaft in der Literaturwissenschaft samt angrenzenden Disziplinen eine reiche theoretische Basis bietet, an die produktiv angeknüpft werden kann. Bereits bei diesem Erkenntnistransfer wird evident, dass bestimmte vortheoretische Annahmen um den Autor im Internet verabschiedet werden müssen.

Um die Rahmenbedingungen zu klären, unter denen digitale Autoren agieren, erweist sich das Modell des Dispositivs (Foucault, Hickethier) als äußerst nützlich. Es ist zum ersten als holistisches Konzept geeignet, das komplexe Phänomen Autorschaft als ein analysierbares Netz von Bedingungen zu erfassen. Zum zweiten lässt sich die Verbindung zwischen Netzdispositiv und Online-Autorschaft als von Machtstrukturen geprägt rekonstruieren, wobei sich Dispositiv und Netzautoren gegenseitig beeinflussen. Drittens wird auf die Ebene der handelnden Subjekte rekurriert und damit die literarische Produktion des Einzelnen beschreibbar. Letzteres wird außerdem durch die “Empirische Theorie der Literatur” (ELT) und dem damit verbundenen Handlungsrollenmodell theoretisch fundiert.

Als maßgebliche dispositivitären Rahmenbedingungen von Internet-Autoren werden vier Faktorenbündel intensiv und detailliert diskutiert: Philosophische, technische, ökonomische und rechtliche Bedingungen des Internets formen die literarische Autorschaft vor und schlagen sich somit auch in den künstlerischen Arbeiten nieder. Umgedreht wird das Dispositiv zudem (eingeschränkt) durch die Aktivitäten der Autoren beeinflusst.

Resultierend wird ein Modell der literarischen Autorschaft im Internet erarbeitet. Dabei zeigt sich das kulturelle Phänomen Autor auch im Internet als so wirkungsmächtig, dass die Befreiung unter dem Schlagwort “dissoziierte Autorschaft” letztlich nicht vollständig gelingt.

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